Stahlinstitut VDEh https://vdeh.de/informationen-publikationen/aktuelles/ – 02.12.2022

Stahlinstitut VDEh hat im zweiten Halbjahr 2022 erfolgreich Konferenzen „reanimiert“ und durchgeführt

Dem Stahlinstitut VDEh ist es gelungen, zwei ursprünglich für 2021 geplante und infolge der Corona-Pandemie verschobene Doppel-Konferenzen im August und Oktober 2022 erfolgreich durchzuführen. Die Rahmenbedingungen waren angesichts der Nachwirkungen der Pandemie, des Ukrainekriegs und seinen Auswirkungen auf die Energiepreise zunächst nicht sehr ermutigend.

Allerdings war der nun gewählte Zeitpunkt für diese Konferenzen mit Themen zu technischen Entwicklungen bei der Eisen- und Stahlerzeugung und des Umweltschutzes genau richtig gewählt. Denn die europäische Stahlindustrie befindet sich im größten technologischen Umbruch seit Bestehen der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft. Bis 2030 muss der CO2-Ausstoß in der EU um 55 % gegenüber dem Referenzjahr 1990 gesenkt werden, und im Jahre 2050 will die EU klimaneutral sein. Der Weg ist weit – aber die Technologie ist konzipiert und liegt schlüsselfertig vor. CO2-Neutralität und grüner Stahl waren dementsprechend Schwerpunkte der vier Konferenzen, die jeweils als zwei Doppelkonferenzen durchgeführt wurden. Der Erfolg der Konferenzen in technischer und wirtschaftlicher Hinsicht bestätigt die Entscheidung, diese als Präsenzveranstaltungen durchzuführen.

Von vielen Teilnehmern war zu vernehmen, dass es nach der langen Zeit des „Stillstandes“ an der Zeit war, sich zu treffen und den technischen Dialog zu führen. Die Bewertungen der Konferenzen fielen ausgesprochen positiv aus.

8th European Coke and Ironmaking Congress (ECIC) und 9th International Conference on Science and Technology of Ironmaking (ICST), Bremen, 29. August bis 2. September 2022

Die Schwerpunkte dieser beiden Konferenzen lagen im Bereich der Eisenerzeugung mit den Agglomerationsstufen Kokerei, Sinteranlage und Pelletanlage sowie in der Reduktion der Eisenerze im Hochofen zur Roheisenerzeugung und in Direktreduktionsanlagen zur Herstellung von direkt reduziertem Eisen (DRI und HBI). Vorsitzender der Konferenz war Dr. Hans Bodo Lüngen, ehemals Geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Stahlinstituts VDEh. Insgesamt 300 Teilnehmer aus 23 Ländern weltweit haben anhand von 113 Vorträgen die Anlagentechnik und betriebliche Praxis (ECIC) sowie neuste Grundlagenforschungen und deren Ergebnisse (ICSTI) diskutiert.

Die Stahlindustrie in Europa teilt das Ziel der Europäischen Union bis 2050 weitgehende Treibhausgasneutralität zu erreichen und möchte bereits bis 2030 substanzielle CO2-Einsparungen auf den Weg bringen. Aus den Vorträgen ging hervor, dass die Firmen des Anlagenbaus und die Stahlunternehmen dafür gerüstet sind. Der Königsweg zum Erreichen einer weitgehenden Klimaneutralität bei der Stahlerzeugung auf Basis von Eisenerzreduktion ist der Wechsel von Kohlenstoff bzw. Kohlenstoffmonoxid als Reduktionsmittel im Hochofen hin zu Wasserstoff in Direktreduktionsanlagen. Somit entsteht statt CO2 zukünftig Wasserdampf. Das bedeutet für die Stahlindustrie einen kapitalintensiven Verfahrenswechsel von der Route Hochofen–Konverter zu Direktreduktion–Elektrolichtbogenofen oder Direktreduktion–Einschmelzer–Konverter.

9th European Oxygen Steelmaking Conference (EOSC) und 6th Clean Technologies in the Steel Industry (CTSI), Aachen, 17.-21. Oktober 2022

Der Fokus des EOSC lag auf den neuesten Entwicklungen in der Anlagen- und Verfahrenstechnik sowie den Grundlagen des Sauerstoff-Konverters inklusive der Sekundärmetallurgie. Die Themen der CTSI behandelten die Techniken zum Umweltschutz und zur Abgasreinigung für den gesamten Bereich der Eisen- und Stahlerzeugung. Auch hier bekam die Transformation der Stahlindustrie zur CO2-neutralen Stahlerzeugung eine Bühne mit großer Beachtung. Vorsitzender der Konferenz war Prof. Dr. Dieter Senk, Institut für Eisenhüttenkunde der RWTH Aachen.  

Etwa 200 Teilnehmer aus 17 Ländern konnten neueste Trends und Technologien im Bereich Blasstahlerzeugung und Umweltschutztechnologien diskutieren. Ergänzend zu den bereits beim ECIC & ICSTI vorgestellten Entwicklungen zur Transformation der Stahlerzeugung wurde beim EOSC & CTSI einmal mehr deutlich gemacht, dass der Oxygenstahl-Konverter seinen Platz und seine Rolle in der zukünftigen europäischen Stahlherstellungsroute gefunden hat und auch in Verbindung mit der Direktreduktion und einem Einschmelzer behaupten wird. Und über Europa hinaus ist er zudem weiterhin das Aggregat, das 71 % des weltweiten Stahls kocht. Der Sauerstoffkonverter ist ein Garant für die Erzeugung hochqualitativer Stahlsorten.

Verfügbarkeit der Konferenzvorträge

Die Vorträge der Konferenzen sind elektronisch allen Teilnehmern zum Download zur Verfügung gestellt worden. Sie können von Nichtteilnehmern zu einer Gebühr von € 90,00 je Doppelkonferenz bezogen werden über:

info_at_ecic-icsti.com und info_at_eosc-ctsi.com

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